Die These von Ina Praetorius, dass Wissenschaft in westlicher Tradition Weltentwerfen in Herrschaftszeit ist, ist für mich eine im Kontext der Reflexion über Wissenschaft beeindruckend und eine nachhaltig prägende Überlegung. Diese These verpackt Ina Praetorius in eine Geschichte, in verschiedene Szenen, die deutlich machen, dass es ein Unterschied ist, ob jemand denkt, der/die „Herrschaft über die Zeit und damit Herrschaft über andere“ hat oder jemand, der/die in fragmentierter Zeit tätig ist. Das Denken in störungsfreier Zeit hat sich als das vermeintlich einzig wertvolle Denken etablieren können und damit zeitlose Gültigkeit beanspruchen können.
Dieses Denken in störungsfreier Zeit gerät an seine Grenzen: denn dieses Denken ist fähig, die Welt zu zerstören. Nicht umsonst schreibt Ina Praetorius an anderer Stelle davon, dass Ethik heute als Ethik von Überleben zu verstehen ist: Umweltzerstörung, Atombomben und neue Reproduktionstechnologien sind der Kontext heutigen Nachdenkens über gutes Leben.
Leider habe ich das nicht elektronisch – darum:
Literatur:
PRAETORIUS, Ina, Theologie in der fragmentierten Zeit, Reflexionen, ausgehend vom Begriff „Postmoderne“, in: PRAETORIUS, Ina, Skizzen zur feministischen Ethik, Mainz 1995, 33-46
PRAETORIUS, Ina, Frauenforschung in der Ethik, in: Schlangenbrut 34 (1991)